Exodus
Installation by Raúl  Poem "Namenlos" by Anita Schmuck-López

Installation Exodus. Roots, Namenlos und Welcome




Namenlos


Namenlos

Meinen Fuß auf deine Erde
setze ich hoffnungsfroh,
im Koffer zwischen Kleidung
zusammengefaltet trage ich
Herkunft, Sprache und Schrift,
Vergangenheit und meine Würde mit.

Winkende Hände, Freudenrufe,
Schilder mit übergroßen Lettern,
die sich mir entgegenstrecken,
doch namenlos steht nirgendwo
als ahnte ich es schon.

Ewigkeiten, ganze Generationen,
Menschenleben sind seitdem vergangen,
doch dem Öffnen meines Koffers
verschließt du dich immer noch
wie sehr auch in dessen Dunkel meine roots
begierig zum Licht hin drängen,
und es fast so scheint, als könnten nur
die Kinder Brailles sie erkennen.

Denn durch dein aufblitzendes welcome
spannt sich eine Grenze aus Stacheldraht,
Schandmal jeder freien Landschaft,
die das sonst Unausgesprochene
stellvertretend zum Vorschein bringt
und an deinen Gedanken befestigt
dort stärker als an jedem Masten hält.

Und so stehst du blicklos einfach da,
als wüsstest du nicht, dass ich es war,
der deinen Ahnen einst, Nomaden gleich,
anstelle von Hunger, Schrecken und Krieg
meine Erde als Heimat gab.

Doch dein Stacheldrahtzaun fünffach geflochten
und meine fünf Wurzeln halb schon vertrocknet
gleichen sich in Zahl und Natur,
lass mich also meine roots wie einen Verband
auf deine Drahtspitzen schnüren,
um nicht noch mehr Male zu hinterlassen,
vielmehr um anzuwachsen gegen die Schande,
sodass ich deine Erde irgendwann vielleicht
auch meine Heimat nennen kann.
Welcome.

Anita Schmuck-López